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Wirtschaftsfaktor Behinderung

zuletzt verändert: 27.12.2006 11:02

Es gibt umfangreiche Studien, wie viel die Behinderung von Menschen den Staat und die Gesellschaft „kostet“. Es gibt eine Menge Material über den fiskalischen Wert ehrenamtlicher Tätigkeiten. Erst langsam dringt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, dass Behinderung ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor ist. Nur die wissenschaftlichen Daten dazu fehlen noch.

Behinderung schafft Arbeitsplätze

Etliche Tausend Menschen in Österreich sind rund um die Uhr damit beschäftigt, mit und für Menschen mit Behinderung zu arbeiten. Das Tätigkeitsfeld ist enorm vielfältig und reicht von Persönlicher Assistenz über Beratung und Ausbildung bis hin zur Pflege. Der Dienstleistungssektor boomt, die persönlichen Dienstleistungen nehmen dabei einen großen Stellenwert ein.

Die Neuentwicklung und Produktion von Hilfsmitteln, die Adaptierung von alltäglichen technischen Geräten von der Brotschneidemaschine über den Computer bis hin zum PKW: Tätigkeitsfelder, die aufgrund der Tatsache „Behinderung“ höchste Qualifikationen erfordern.

Arbeitsplätze werden auch in jenen Bereichen geschaffen, die der gesamten Gesellschaft zugute kommen und durch Menschen mit Behinderung initiiert wurden. Dazu gehört etwa die gesamte Bauwirtschaft, die den öffentlichen Raum barrierefrei gestaltet.

 

KonsumentInnen mit Behinderung

Immer mehr Unternehmen, die selbst keine Produkte oder Dienstleistungen speziell für Menschen mit Behinderung anbieten, erkennen die Kaufkraft dieser Gruppe. Eines der ersten Beispiele in Österreich war die Schloss Schönbrunn Kultur- und BetriebsgesmbH. Vor knapp 15 Jahren wurde das gesamte Schlossgebäude barrierefrei umgestaltet bis hin zur Änderung aller Sicherheits- und Brandschutzpläne. Tastpulte für blinde Menschen wurden entwickelt, das fest angestellte Führungspersonal für gehörlose BesucherInnen geschult. Immer mehr Hotels bieten barrierefreie Zimmer an, Supermärkte wurden zugänglich gemacht. Internet-Shops sind für blinde UserInnen nutzbar. Nicht gesetzlicher Druck oder Förderungen für Umbaumaßnahmen waren ausschlaggebend, sondern die Erkenntnis, dass Barrierefreiheit den Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bei einer kaufkräftigen Zielgruppe bringt.

 

Potential an Arbeitskräften

Nicht zuletzt sind Menschen mit Behinderung Arbeitskräfte mit allen Stufen der Qualifikation. Und hier schließt sich der Kreislauf des Wirtschaftsfaktors Behinderung. Menschen, die mit oder trotz ihrer Behinderung einen Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt haben, tragen ihren Teil zur Finanzierung des Sozialsystems bei und „kosten“ nichts. Im Gegenteil: Geld, das sie verdienen, können sie auch ausgeben.

 

Pro-Fit steht mitten in diesem Kreislauf. Die Organisationsberatung hilft Unternehmen, Jobmöglichkeiten für Personen mit Behinderung zu finden, die den Unternehmen Nutzen bringt. In den Plattformen werden neue Modelle der Beschäftigung und Mobilität entwickelt. Das alles sorgt dafür, dass der Wirtschaftsfaktor Behinderung in Niederösterreich optimal genutzt wird.



erschienen in: Pro-Fit News, 4. Ausgabe, September 2006


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